Faltrad

Seit inzwischen auch schon wieder fünf Monaten habe ich eine neue Stelle, und zwar in Lübeck. Da unser Haus recht verkehrsgünstig gelegen ist, kann ich zwar grundsätzlich mit der Bahn pendeln, aber “verkehrs­günstig” bedeutet immer noch 15 Min zum Bahnhof, und 15 Min in’s Büro – jedenfalls zu Fuß. Da liegt es nahe, auf das Rad umzusteigen. Und da man keines am Lübecker Bahnhof stehen lassen möchte, muss es ein Faltrad sein, das ich in der Bahn mitnehmen kann.

Nur welches?

Ein Überblick:

Brompton?

Ein Brompton ist ein bisschen das Faltrad, man sieht es auch sehr oft. Mir persönlich ist es aber zu teuer und mit 16 Zoll auch zu klein.

Birdy?

Dem Birdy sagt man sehr gute Fahreigenschaften nach; es ist voll gefedert. Mir ist das aber zu “komplex”: Mein “richtiges” Rad ist ein Singlespeed, und ich schätze den damit einhergehenden geringen Wartungsbedarf. Das Birdy spielt auch in einer ähnlichen Preisklasse wie das Brompton (>> 1k).

Tern?

Das Tern ist ziemlich gängig; sogar der HVV hat eins im Angebot. Es ist bezahlbar, und in verschiedenen Größen erhältlich. Es gibt Kettenschaltungen (die nicht meins sind, siehe oben), aber auch Nabe, und wenn ich mich nicht irre, dann auch Singlespeed. Ich bin auch zwei, drei Probe gefahren, aber irgendwie sprang der Funke nicht über. Die machen alles richtig, aber das Ergebnis ist nicht cool 🙂 Ich empfehle trotzdem eine Probefahrt.

Strida?

Im Kommentarbereich eines Artikels auf Spiegel Online bin ich auf Strida gestoßen. Ich darf die Seite gar nicht aufmachen, sonst werde ich jetzt noch schwach: Der Faltmechanismus ist ganz anders als bei den anderen Systemen; er ist auf Geschwindigkeit, statt auf kleinstes Packmaß ausgelegt. Das Ergebnis erinnert an einen Trolly, was durchaus Absicht ist: So schiebt sich das Rad, wo man alle anderen tragen muss.

Es gibt drei Preisklassen, wobei die günstigste auch nur 16 Zoll hat. Die beiden anderen liegen mit ab ~900 € über den Tern, aber dafür bekommt man bsplw. auch einen Riemenantrieb. Und eben den Spielfaktor des technisch Ungewöhnlichen, was durchaus nicht zu verachten ist.

Letztlich waren es viele kleine Argumente, die mich vom Kauf abgehalten haben. Jeweils einzeln hätten sie das nicht geschafft: Der Preis; die doch auch kontroverse[1], [2] Technik des Riemenantriebs; das Faltmaß, das man eben nicht so einfach hinter dem Sitz in der Bahn verstaut; die maximal 18 Zoll; die Sitzposition; das Maximalgewicht von 100kg inkl Gepäck, das zufällig (?) genau dem vorgeschriebenen Mindestwert für Fahrräder entspricht – verdächtig.

Dahon?

Dahon klang für mich wie ein chinesischer Billiganbieter, tatsächlich kommen die aber aus den US and A (“Dahon” ist nichts in dem Sinne chinesisches, sondern der abgekürzte, zugegebendermaßen asiatischstämmige Name des Gründers Davin Hon – das Ganze war eine Garagengründung in good old California) und rühmen sich als Erfinder des modernen Faltrades. Wie dem auch sei: Von Auswahl und grundsätzlicher Aufmachung den Terns nicht unähnlich, also insbesondere ohne die Nachteile der Stridas, habe ich schließlich das Mµ Uno entdeckt:

Singlespeed und insgesamt so minimalistisch, dass es an die alten BMX-Räder erinnert – das Original hat nicht mal eine Handbremse. In D so nicht erlaubt, da hat es deshalb eine, keine Angst. Dafür fehlt in D die Luftpumpe in der Sattelstütze, von der man hin und wieder liest.

Der Rahmen hat einen ziemlich guten Ruf, und wer es denn unbedingt will: Es gibt auch eine Version mit Riemenantrieb, für < 1k. Die Version mit Kette gibt es online sogar für knapp unter 500 €, da war dann direkt noch ein Brooks Flyer Special und ein Kryptonite Messenger Mini+ drin. Der Brooks lässt sich übrigens direkt montieren, es ist kein zusätzlicher Kloben nötig.

20”, bzw. eigentlich wohl sogar knapp darüber; Schwalbe-Reifen. Das einzige, was mich gerade stört, ist die Rücktrittsbremse, das bin ich einfach nicht gewohnt. Trotzdem: Fährt sich super!

dahon-mu-uno

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