Ich habe einen neuen Plattenspieler. Und da ich ja leider immer noch mit dem Surround Speaker Set von Teufel geschlagen bin, dachte ich, ich mache das Beste daraus, und besorge mir einen Plattenspieler mit Bluetooth. Der ist dann variabel aufstellbar, so dass man auch immer gut von oben dran kommt. Er ist auch schnell ins Arbeitszimmer gebracht, wo ich dann bei der Arbeit Platte hören kann. Usw. usf.
What Hi-Fi sagt nun vom Pro-ject T1 EVO BT Folgendes:
This five-star Pro-Ject has muscled its way onto our guide to the best Bluetooth turntables […] The Pro-Ject T1 Evo BT is an excellent example of what a turntable of this type and price can be […] Five stars? Nailed it.
Hier der Test dazu. Euronics testet eine 4.8/5, mit den Worten
Der Pro-ject T1 Evo BT ist meiner Meinung nach das ideale Gerät dafür […] Mein Fazit: Einfach gut […] Der Pro-ject T1 Evo BT macht richtig Spaß […] Ein tolles Beispiel für die Konzentration auf das Wesentliche, ohne Schnickschnack, aber mit viel Gefühl dafür, was nötig ist.
Und in der AUDIO+stereoplay 05/25 (ich hatte mir diese Ausgabe nur für dieses eine Review geholt) liest man:
Rundum sorglos: So kann’s gehen […] die Bluetooth-Wiedergabe erfüllt auch höhere Ansprüche […] Preis/Leistung: Überragend
Ich möchte diese Bewertungen um anderthalb Details ergänzen, denn mein Fazit fällt durchaus schlechter aus: Meinem Eindruck nach ist das Gerät fast unbenutzbar.
Im Detail:
- Der Plattenspieler setzt die Lautstärke am Ausgabegerät auf 100%. Und zwar jedes Mal, wenn man ihn verbindet. Das ist reproduzierbar mit mindestens Bluetooth-Boxen von Blaupunkt, meinem Surroundset von Teufel, In-Ears von Anker (unnötig zu erwähnen, dass diese Geräte in beliebigen anderen Setups sinnvolle Defaults nutzen). Ich habe das Gerät – nach einigen Diskussionen 🙄 – einschicken dürfen, und der Support bestätigt das außerdem mit “Audio Pro A 28” Boxen. Nicht aber mit “Soundmatters foxl Dash 7” Boxen oder einem “WiiM Ultra”. Und das genügt dem Support für ein “works as intended”.
- Darüber hinaus kann man den Plattenspieler nicht ausschalten. Bspw. der Bluetoothsender bleibt aktiv, bis man den Stecker zieht, und blinkt beharrlich vor sich hin. Auch am Tonabnehmer liegt permanent ein Signal an, so dass kleinste Luftbewegungen mit 100% Lautstärke an den Empfänger gegeben werden. Bis man diesen runtergeregelt hat, was je nach Bedienelementen auch mal ein paar Sekunden länger dauert. Selbst per Kabel verbunden, hält der Spieler sich bei Inaktivität eigentlich selbst abschaltende Boxen eingeschaltet.
Tja. Vielleicht sollte ich einfach nichts mehr bestellen. In anderem Kontext wurde ich neulich “würdest Du das Produkt empfehlen” gefragt. Nun, nein, ich würde vom Pro-ject T1 EVO BT abraten. Ich würde sogar von Pro-ject abraten, wenn das ein offiziell akzeptables Verhalten für einen Bluetooth-Player ist – hey, immerhin ist das Basismodell ohne BT 20% günstiger! Wer den hier kauft, will genau diese Funktion. Und davon abgesehen: Euer Support hält Geräte vor, die aus dem Stand nicht (sinnvoll) kompatibel sind? Wie testet ihr denn eigentlich eure Produkte während der Entwicklung? Danke für nichts.
Update
Oha. Ich habe tatsächlich (und super schnell!) eine Antwort von Heinz Lichtenegger bekommen, seines Zeichens Chef von Pro-ject. Ich werde nicht die ganze Antwort hier bringen, die recht spontan geschrieben scheint. Aber Quinessenz ist:
Generell moechte ich auch feststellen das wir die BT Verbindung nur als die Motloesung ansehen, wenn eine Kabelverbindung mit dem LS unmoeglich ist
[…]
Wir bieten daher bewusst auch alle Plattenspieler Ohne BT Modul and. Muessen aber BT Modul Plattenspieler haben weisl der Markt verlangt
[…]
jeder kunde der ein digitales Streaming Geräte kauft wird fueher oder spaeter das eine oder ander Konnectivitatet problem oder software problem haben, dasist PC Audio Technolgie an sich anheim
(alles: sic)
Finde ich relativ harte Aussagen eines CEO über ein Modell, dessen einzige Berechtigung (als dediziertes Modell) seine BT-Funktionalität ist. Auch hart mir als Käufer gegenüber, denn ich bin besagter “Markt”, der so eine Funktionalität “verlangt”. Deshalb habe ich den gekauft. Weil Pro-ject das entsprechend bewirbt. Ist das eigentlich schon irreführende Werbung?
Update 2
Heute hat der T1 die Verbindung beendet, sich automatisch neu verbunden, und auf dann voller Lautstärke weitergespielt. Ich habe das eine Sekunde zu spät vorhergesehen, bin zwar noch aufgesprungen, aber da war da Signal schon wieder da. Ich dachte, meine Boxen explodieren. Sehr schön, nun ist also nicht nur das Einschalten maximal unentspannt, sondern auch das Hören: “Was war das? Bricht die Verbindung ab? Muss ich springen?”
Ich habe eine … “entsprechende” Mail an Lichtenegger geschickt und werde meinen Spieler zurückgeben.
Update 3
lol. Jetzt ist es “ein bestimmter Pegel”, mit dem der T1 das Signal ausgeben würde, und der wäre ja immer gleich hoch!!1 Ich sage: Pro-ject hat keine Ahnung, wie ein digitales Signal funktioniert.
Es gibt keinen “Pegel”! Es gibt eine Abmischung der Quelle, die “dynamisch” oder nicht sein kann, Stichwort “Loudness War”. Das hier natürlich nichts mit zu tun; diese Loudness liegt in der Waveform selbst. Die Waveform wird aber digitalisiert und dann 1:1 übertragen. Mit einer gewissen Signalstärke, ein Bluetooth-Sender sendet vielleicht weiter als ein anderer, aber das ist dem Audio-Stream, dem Bit-Stream mit Audiodaten, egal. Einen (Vor-) Verstärker wie damals™, der da vielleicht zu viel oder zu wenig Strom ausgibt, der einen definierten “Pegel” hat, das gibt es nicht.
Aber es gibt Steuerungssignale (Common Audio Profile, CAP), mit der der Bluetooth-Sender (oder eine Fernbedienung, oder ein Soft-Touch-Bedienelement oder …) dem Empfänger sagen kann “Yo dawg, mach ma lauter” (Volume Control Profile, VCP). Und das sendet der T1 offensichtlich, und das ist falsch.